Der Film Heidi, 1992 von Paul McCarthy
& Mike Kelley basiert auf eine Performance in Anlehnung
an Johanna Spyri´s Novelle Heidi von 1880. Johanna Spyri
(1827-1901) debütierte als religiöse Schriftstellerin
mit pietistischem Hintergrund. Die Gesamtauflage der Geschichte
vom "Naturkind" Heidi, das in den Schweizer Bergen
unter der Obhut des Alm-Öhi frei und ungebunden aufwächst,
liegt bei 50 Millionen, es existieren allein bis jetzt 15 Verfilmungen.
Dieses gebündelte Ergebnis pietistischer Introspektion
und regressiver Wunscherfüllungsphantasien haben Paul McCarthy
& Mike Kelly in ihrem 60 Minuten langem Kunstfilm Heidi
in eine anderen Realität übersetzt. Beide, Kelly und
McCarthy behandeln die Faszination der vermeintlichen unschuldigen
Welt der Kindheit und drehen diese in ein Szenarium der Repression,
Gewalt und des Missverstehens um. Diese sexuell aufgeladenen
Aktionen sind theatralisch-drastische Inszenierungen von oftmals
tabuisierten Vorgängen und Handlungen wie Geburt und Tod,
Koitus, Sodomie und Masturbation, Kindes-misshandlung; häufig
verweisen sie auf die patriarchale Familienordnung als einen
Ort tiefgreifender Störungen. Eine Parodie auf Autoritätspersonen,
feste Familien-beziehungen und starre Begriffe von Sexualität
sowie eine gleichzeitige Ironisierung der "amerikanischen
Werte".
(Paul McCarthy, *1945, Salt Lake City, Utah,USA, lebt und arbeitet
in Los Angeles, California, Mike Kelly, *1954 Detroit, lebt
und arbeitet in Los Angeles)