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When Everything Has Been Said, What Remains To Be Said Is The Disaster
Videostill von einer INS Rekonstruktion einer Mafia Schiesserei
Video still from INS reconstruction of Mafia shootout
DasArts Institute, Amsterdam, 2001
 
 


Was zu sagen bleibt, wenn alles gesagt ist, ist das Desaster
Transkript einer Diskussion am 13. Oktober 2001 im Café De Jaren, Amsterdam
Anwesend: Dan Bodner Tom McCarthy Paul Perry Jalal Toufic Frank van der Ven

Tom McCarthy: Das INS hat während der vergangenen zwei Wochen am DasArts Institute die Mafia-Schießerei rekonstruiert, in die Dan vor zwei Jahren verwickelt wurde, verwendete dabei Feuerwaffen und Tänzer und einen Muybridge-Raster, einen Windkanal usw. Fünf Gangster wollten einen Rivalen töten, aber der Leibwächter dieses Gangsters warf sich vor seinen Boss und opferte sein Leben.

Dan Bodner: Aber das war nur der Anfang. TMcC: Stimmt. Paul, ich erinnere mich, dass du einmal gesagt hast, wir sollten Geschehnishorizonte a) sowohl als expandierend als auch kontrahierend und b) gleichzeitig von innen und von außen sehen.

Paul Perry: Ich hätte immer noch gern eine gute Definition für das "Geschehnis" (event). Fangen wir doch damit an.

TMcC: Für mich liefert genau das Maurice Blanchots Theorie des Geschehnisses als Desaster. Er sagt: ?Wenn alles gesagt worden ist, dann ist das, was noch zu sagen bleibt, das Desaster." Ich denke, man kann das Wort "Geschehnis" durch "Desaster" ersetzen und diese Ersetzung würde funktionieren

PP: Gib doch mal eine Arbeitsdefinition für "Desaster". TMcC: Geschehnis.Wenn alles übersetzt worden ist, dann ist der Rückstand, der sich der Übersetzung verweigert, das Geschehnis. Die nicht rückgängig machbare Kinesis, Materie, was auch immer, die dieses ganze Datenfeld unterstützt und die Wiederholung und Wiederaufführung und Rekonstruktion, die wird sich dem immer entziehen.
Frank van der Ven: Was bedeutet das Geschehnis für dich, Dan? Denkst du immer noch an die tatsächliche Schießerei an jenem Tag oder geht es um das Geschehnis, das du uns erzählst?

DB: Es gibt verschiedene Schichten. Aber ich weiß,was das Geschehnis war. Etwas passierte an einem Ort und zu einer Zeit, das war das Geschehnis. Ich weiß das, weil ich dort war. Ich machte diese Erfahrung und sie ist in mir auf mehreren Ebenen gespeichert: Als Story in meinem Kopf, physisch in meinem Körper (ich schaudere immer noch, wenn ich einen Schußknall höre, wie es während eurer Rekonstruktionen oft der Fall war). Also habe ich eine Erinnerung an jenen Augenblick. Jetzt habe ich euren Studenten eine Geschichte gegeben. Die bekamen also Daten von mir - viele von ihnen nahmen freiwillig genau denselben Pfad, spielen meine Handgesten nach, erzählen exakt meine Story.

PP: Man hält den Augenblick für das Wichtigste, weil man Augenzeuge war. Aber ich denke, ein Geschehnis ist eher ein Muster als etwas anderes. Dieses Muster
kehrt immer wieder. Es mag in der Walther P 5 liegen, die wir verwendeten. Es liegt darin, dass Tom anfängt, das Laden der Pistole zu mögen und das Abdrücken.
Das Muster liegt in der Waffe, in dem Griff, mit dem deine Hand sie umfasst. Man tritt in ein wiederkehrendes Muster ein.

Jalal Toufic: Hier möchte ich ein klein wenig eingreifen. Sterben ist eine Erfahrung, die man nicht in Gemeinschaft machen kann. Man kann ein Gemeinschaftserlebnis
in einem anderen Sinn haben, denn wie ich anderswo geschrieben habe, - basierend auf Nietzsche, als er verrückt wurde - , lautet im Tod jeder Name
der gesamten Geschichte Ich. Es gibt also eine Gemeinschaft auch im Tod, aber nur diese. Man kann nicht in Zehnergruppen die Unterwelt betreten. Man kann
nur allein gehen. Aber in der Unterwelt bist du jeder Name der Geschichte. Man kann im Tod nicht beisammen sein, denn der Tod ist das ultimative Labyrinth.

TMcC: Ich frage mich, wie sich diese Formulierung des Todes als Einzelhaft ändert, wenn man das Opfer ins Spiel bringt. In der Gangsterschießerei, die wir
zur Rekonstruktion ausgewählt haben, hat sich der Leibwächter selbst geopfert. Eine solche Selbstaufopferung ist sicher eine Todeserfahrung in einem Verhältnis
zu jemand anderem.

JT: Von außen betrachtet. Das ist immer von der Außenseite gesehen. Man kann für einen anderen sterben, aber nicht an seiner Stelle.

PP: Ich hätte immer noch gern eine gute Definition für Geschehnis.

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When Everything Has Been Said, what Remains to Be Said Is the Disaster
Transcript of Discussion Held in Café De Jaren,
Amsterdam, 13th October 2001
Present: Dan Bodner Tom McCarthy Paul Perry Jalal Toufic Frank van der Ven

Tom McCarthy: Over the last two weeks the INS has been at the DasArts Institute reconstructing the Mafia shoot-out that Dan got caught up in two years ago, using guns and dancers and a Muybridge grid and a wind tunnel and so on. Five gangsters were trying to kill a rival gangster, but this gangster's bodyguard threw himself in front of his boss and gave his life.

Dan Bodner: But that was just the beginning.

TMcC: Right. I remember you, Paul, saying at one point that we should see event horizons as a) both expanding and contracting and b) being on the inside and the outside at the same time.

Paul Perry: I'd still like to have a good definition of the event. Let's start with that.

TMcC: For me, that's where Maurice Blanchot really delivers with his theorizing of the event as a disaster. He says: "When everything has been said, what remains to be said is the disaster." I feel you could substitute the word 'event' for 'disaster' and it would work.

PP: So give me a working definition of 'disaster.'

TMcC: Event. So when everything has been translated, the residue that refuses to be translated is the event. That un-redeemable kinesis, matter, whatever, which even though it facilitates this whole field of data and repetition and re-enactment and reconstruction, will itself always elude that.

Frank van der Ven: What was the event for you, Dan? Are you still thinking that it was the factual shooting on that day, or is the event your telling of it to us?

DB: There are several layers to it. But I know what the event was. It happened in a time and a place, and that was the event. I know what the event was because I was there. I experienced it and it's stored inside me on many levels: as a story in my head, physically in my body (because when I hear a gunshot, as I did often during your reconstructions, I still judder). So I have a memory of that event. Now, I gave your students a story. So what they were taking data from was me-- and a lot of them deliberately took this path, to re-enact my handgestures, my telling of the story.

PP: One prioritizes the moment when one first witnesses it. But I think the event is more a pattern than anything else. And that pattern has been recurring. The pattern may be in the Walther P5 pistols that we used. The pattern is Tom beginning to really like putting clips into the gun and cocking it. The pattern is the affordance of the pistol, the grip that your hand goes around. One steps into a pattern that is recurring.

Jalal Toufic: I'm going to make a small intervention here. Dying is an experience that you cannot have as a community. You can have community in a different sense because in death, as I write somewhere else based on Nietzsche when he was going psychotic, every name in history is I. So there is this community that you can have in death, but only in that way.You can't go to the underworld in groups of ten.You can only go one by one. But in the underworld you are every name in history.You cannot be together in death, because death is ultimately a labyrinth.

TMcC: I wonder how that formulation of death as solitary changes when you bring sacrifice into play. In the gangster shooting that we chose to reconstruct the bodyguard sacrificed himself. Sacrifice of oneself is surely experiencing death in relation to another.

JT: From outside. It's still from outside.You can die for another but not in his place.

PP: I'd still like a good definition of the event.

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